Ziele des Vereins
Die zentrale Aufgabe des Vereins besteht darin, den Fortbestand einer Geschichtswerkstatt und eines Industriemuseums in Herrenwyk zu sichern. Neben eigener Geschichtsforschung, eigenen Publikationen und von ihm kuratierten Ausstellungen nahe an und mit den Menschen unterstützt er mit ehrenamtlichen Tätigkeiten und finanziell den Museumsverbund Die Lübecker Museen bei der Unterhaltung und dem Ausbau des Industriemuseums Herrenwyk.
Die Geschichte der Industrialisierung in Lübeck ist noch wenig dokumentiert. Arbeitswelt, Lebensalltag der Arbeiter und Angestellten und die Entwicklung der Arbeiterbewegung vor dem Hintergrund der industriellen Entwicklung Lübecks sollen weiter erforscht und dargestellt werden.
Der Verein betreibt und fördert diese Forschungen und deren Veröffentlichungen. Er beteiligt sich selbst daran, unterstützt Anschaffungen und die weitere Ausstattung des Museums, bietet ehrenamtlich Führungen im Industriemuseum an, betreibt Öffentlichkeitsarbeit und vieles mehr.
Das Verhältnis des Vereins zur Kulturstiftung der Lübecker Museen ist in einem Kooperationsvertrag geregelt.
Besonders erwähnenswert ist neben der finanzielle Unterstützung der städtischen Einrichtung, die gemeinsame Organisation, wie auch die aktive Mitarbeit von Vereinsmitliedern bei regelmäßigen Kulturveranstaltungen, Vorträgen, Filmvorführungen und Lesungen aus dem Bereich Industriegeschichte und Arbeiterkultur, die in Absprache mit dem Industriemuseum Herrenwyk in deren Räumen stattfinden.
Durch schulische und außerschulische Angebote, im und um das Industriemuseum, ermöglicht der Verein Gruppen von Kindern und Jugendlichen eine lebendige Auseinandersetzung mit der Geschichte der Industrie- und Arbeiterkultur.
Immer was Neues
Mit unseren Mitgliedern werden ständig neue Formate entwickelt und ausprobiert, daher lohnt sich ein gelegentlicher Blick auf unsere Homepage, damit ihr es nicht verpasst, wenn wir mal wieder eine unserer oft sehr spontanen Ideen umsetzen und euch dazu einladen.
Schaut auf den Seiten der Vereinshompage, ob es neue Aktivitäten für euch gibt.
Und damit ihr immer „am Ball“ seid, wenn es etwas Neues gibt, bitten wir alle Mitglieder, die wir bisher per Brief kontaktiert haben, uns ihre Email-Adresse mitzuteilen – am besten per Email!
Die Workshops sind übrigens nicht nur für Schulklassen gedacht – auch einen Betriebsausflug oder vielleicht einen Familiengeburtstag mal anders kann man auf diese Weise gestalten.
Schreibt uns gerne, was ihr euch vorstellt, und wir setzen das dann gemeinsam um.
Vorgeschichte
Um die Jahrhundertwende zum 20. Jh. kam es zu einer geplanten, massiven Industrialisierung der Hansestadt Lübeck. Das bedeutendste Projekt in dieser Zeit war der Aufbau der Hochofenwerk Lübeck A.G. an der Herrenwyk in Kücknitz. Neben den Werksanlagen mit einer Vielzahl an Fabriken entstand die gleichzeitig geplante sogenannte Arbeiterkolonie.
In dem neu entstandenen Stadtteil, in dem zeitweise über 3000 Menschen Arbeit in den diversen Fabrikanlagen und Versorgungsbetrieben fanden, entstand ein besonderes reichhaltiges kulturelles Leben. So entstanden neben den sozialen Einrichtungen des Werks eine Vielzahl von Vereinen und dazugehörige kulturelle Einrichtungen.
Neben den Familien, die über mehrere Generationen in der Siedlung lebten, wurden während der beiden Weltkriege in einer Barackensiedlung auch Zwangsarbeiter und ab den 1960er-Jahren sogenannte „Gastarbeiter“ untergebracht.
1981 kam es in der Folge der Ausgliederung des Werks aus dem Flick-Konzern zur Werksschließung.
© Bildarchiv Industriemuseum Herrenwyk
Vereinsgründung
1982 verwirklichte Jenns Howold, Referent für Kunst und Kultur des 20. Jh. am Museum für Kunst- und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck, sein Vorhaben eine Geschichtswerkstatt in Lübeck als Teil des Museums für Kunst und Kulturgeschichte einzurichten, um Leben und Arbeit der Menschen im Stadtteil Herrenwyk als ersten Schritt zur Erforschung der Arbeiterkultur in Lübeck zu erforschen und in einer Ausstellung und einer Publikation zu dokumentieren.
Die Ausarbeitung der Idee von Jenns Howoldt in Form einer detaillierten Konzeption und ein Großteil der Realisierung erfolgte zunächst durch die beiden zu diesem Zweck 1982 eingestellten Wissenschaftler Thomas Winkler und Rolf Warneke. 1983 fand die Geschichtswerkstatt in einem Büro des geschlossenen Kaufhauses in der Arbeitersiedlung der 1981 in Konkurs gegangenen Metallhütte Lübeck AG einen physischen Ort. Hier wurden von einem sich nach und nach erweiterten Team Interviews geführt, Archivalien zusammengetragen und physische Artefakte gesammelt. Ende 1985 wurde unter Mithilfe vieler freiwilliger Mitarbeitender und finanzieller Spenden in den ehemaligen Verkaufsräumen die vielbeachtete Ausstellung gezeigt und die daraus entstandene 400-seitige Publikation Leben und Arbeit in Herrenwyk vorgestellt.
Um die Forschung an der Industriekultur in der Hansestadt im Sinne der Geschichtswerkstatt fortsetzen zu können, gründete sich Anfang 1986 der Förderverein Verein für Lübecker Industrie- und Arbeiterkultur e. V. (VLIAK).
Ohne den Verein gäbe es das Industriemuseum Herrenwyk nicht. Er forcierte zunächst die Etablierung und unterstützt bis heute die von der Hansestadt Lübeck getragene Einrichtung in vielerlei Hinsicht und trägt maßgeblich dazu bei, dass das heutige Industriemuseum mit einer Vielzahl von Ausstellungen und Events für Besucher geöffnet ist.
© Bildarchiv Industriemuseum Herrenwyk
Ein ausführlicher Artikel über die Gründungsgeschichte des Vereins ist auch auf der Internetseite des Gemeinnützigen Vereins Kücknitz – GMVK – zu finden – siehe hier.
Im Mai 2026 wird zur Feier, zu der in das Industriemuseum eingeladen wird, des 40-jährigen Bestehens des Vereins eine Festschrift erhältlich sein, in der die Vereinsgeschichte nachzulesen ist.